Reise nach Ungarn

Mit dem Twike zum Plattensee in Ungarn

Ein Reisebericht von Klaus-Dieter H.
TW539 in Ungarn vom 13. - 20.05.2008

Zusammen mit meinem Sohn Matthias (10) und Hund war ich über die Pfingstferien am Plattensee, weil ... es die meisten nicht interessieren dürfte, lasse ich das Warum und Weshalb einfach weg. Wir waren also am Plattensee, genauer gesagt in Balatonalmadi, um dort den ungarischen Elektromobil-Fan Dr. Antal Joo zu besuchen.

Route

Reise nach Ungarn

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Hier gibt es einen Bericht mit Fotos
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Tag 1

Mit unserem TW539 (3 x NiCd à 3,6 Ah) fahren wir von München über Mühldorf nach Simbach… nein, nicht auf der B12: sondern über Isen, Dorfen, Neumarkt – St. Veit und Wurmannsquick nach Simbach… und weiter in Richtung dem legendären Wolfgangsee, wo wir unsere erste Nacht verbringen Sonnenuntergang auf dem Campingplatz in St. Wolfgang am Wolfgangsee.

Tag 2

... das Traumwetter bleibt und nach einer frischen Nacht starten wir über Bad Ischl und Bad Aussee (Frühstücks- und Ladepause: die Touristeninformation weiß alles, nur nicht wo die nächste Steckdose ist dabei war die Bäckerei gleich um die Ecke...
...und weiter geht es in Richtung Liezen.
Die Energieversorgung ist jedoch zu keinem Zeitpunkt in Gefahr, weil in Österreich jedes Haus über einen eigenen Stromanschluss verfügt.

Dann weiter über Admont ins Gesäuse bis nach Eisenerz. Weil die Strecke nach Eisenerz nicht nur landschaftlich sehr schön, sondern auch sehr "hügelig" ist, zwingen uns unsere "gut betriebswarmen Akkus" (49 Grad) zu einer Verschnauf- und Ladepause... bevor wir mit dem Präbichl (1225 m) den höchsten Punkt unserer Reise passieren können.
Ein Gewitterschauer auf der Passhöhe bringt endlich die ersehnte Abkühlung.
Der einzige Campingplatz in der Nähe von Leoben liegt leider direkt an einer Bahnstrecke... aber für ein gepflegtes Abendessen und die hervorragenden Sanitäranlagen kann man schon mal ein Opfer bringen.

Tag 3

... die Sonne scheint und wieder geht es bergauf: Frühstück und "Akkus kühlen" auf dem Straßegg (1170 m):

Danach die lange Abfahrt durch nicht immer nur "sanft welliges Gelände" bringt uns fast bis vor die Tore von Fürstenfeld. Auch wenn der Reifenservice während unseres Ladestopps Mittagspause macht: trotz geschlossenem Werkstatt-Tor darf unser Ladekabel in der Steckdose verbleiben. Frisch gestärkt rollen wir also nach Fürstenfeld und vor lauter Übermut und Restreichweite gleich weiter über die Grenze nach Ungarn.

Aber niemand spricht deutsch oder englisch, somit ist auch kein Campingplatz auszukundschaften. Diese fundamentalen Verständigungsprobleme, sowie das Ende der Akku-Kapazität zwingen uns schließlich zum Rückzug nach Österreich ... und wir campen also eine letzte Nacht in Österreich: der Campingplatz in Jennersdorf liegt schon fast in Rufweite der ungarischen Grenze.

Tag 4

... und das Abenteuer nimmt Anlauf: erneut reisen wir nach Ungarn ein, diesmal mit bestens geladenen Akkus. Die Strasse von Jennersdorf über Szentgotthard nach Körmend ist zwar verkehrsreich, aber die Fahrer sind ausnahmslos rücksichtsvoll und neugierig: fast aus jedem Fahrzeug schaut entweder eine Kamera oder ein Fotohandy.

In Zalaegerszeg wird der Strom knapp, aber hier sind alle Verständigungsprobleme nur noch Geschichte - und wir fühlen uns herzlich willkommen. Der Werkstattbetrieb bricht zusammen weil alle unser Fahrzeug und unser Vorhaben bestaunen.

Absolutes Highlight: obwohl unsere Rückfahrt für Sonntag (!!!) geplant ist, können wir zum Laden gerne wieder vorbeikommen – ein Angebot, das wir gerne annahmen. Zur Abfahrt bekommen wir sogar noch eine Flasche Sekt geschenkt. Am frühen Nachmittag des 4. Tages erreichen wir den Balaton: Ladestop am 1. Campingplatz.

Der Platzwart spricht nur gebrochen deutsch und verhandelt mit uns über den Stromtarif. Aber schließlich ist er zufrieden mit 200 Forint (ca. € 0,80) für 2 kWh und zeigt uns die Steckdose: die Installation sieht abenteuerlich aus, ein Warnschild begrenzt die Last auf 6 A. Dennoch beteuert der Platzwart, dass wir mit 10 A laden können… – die Installation hat's ausgehalten.

Info für alle Ungarn-Neulinge (so wie wir): den Balaton umgibt ein hoher, dichter Schilfgürtel, d.h. Blick auf den See bzw. Zugang zum See gibt es nur in Badegebieten, …und dann endlich: am Abend des 4 Tages – nach 85 km "hohes Schilf entlang den Ufern des Balaton" – erreichen wir Balatonalmadi.
Unser Campingplatz liegt zwar mitten in der Stadt, aber mit direktem Zugang zum See. Wir bekommen sogar einen Stellplatz in der 1. Reihe - direkt am See…

Wir melden uns bei Antal:
er holt uns ab und wir verbringen den Abend zusammen mit seiner Familie (Fotos von unserem Aufenthalt bei Antal gibt's unter http://www.antibringa.hu/index_elemei/page0027.htm "A TWIKE in Hungary") In diesen Tagen war unser Fahrzeug wohl das am meisten fotografierte Motiv in ganz Ungarn.

Auch die Rückreise verläuft ohne jegliche Schwierigkeiten:
am Sonntag letztes Laden am Balaton (Campingplatz nahe Kesthely), bevor wir aufbrechen, überland zurück zu unserer "Ladestation Zalaegerszeg"…dort werden wir bereits erwartet: noch während wir vorfahren geht das Hoftor auf, das Tor der Werkstatt steht bereits offen und die Steckdose ist bereit… – der Traum eines jeden Emobil-Fahrers, hier wird er Wirklichkeit…
Der Vogel auf dem Mast mitten in Zalaegerszeg, das ist ein Storch in seinem Nest

Zusammenfassung

1700 TWIKE-km in 7 Tagen – alles kein Problem

eine Planung von Ladestopps ist reine Zeitverschwendung (schon nach der 2. Etappe passt nix mehr) unsere Nachbarn in Österreich und Ungarn sind ausnahmslos sehr hilfsbereit.

> in Österreich wurden wir an keiner Tankstelle abgewiesen, wenn wir nach Ladestrom gefragt haben
- nur Austria's Elektroboote können ohne Steckdose geladen werden (?!?)
- auch beim ÖAMTC ist Laden problematisch, wenn man
- kein ÖAMTC-Mitglied ist
- oder keine ADAC-Plus Karte hat... (bis zur freundlichen SEAT-Werkstatt waren es ganze 200m)
> selbst in der Walzstrasse der "VoestAlpine" gab's Strom:
(diverse Umleitungen und heftiger Regen hatten "negativen Einfluss" ausgeübt auf unsere Reichweite)

Reisen bildet: während dieses Ladestopps haben wir viel gelernt über die Eisen- und Stahlfertigung
herzlichen Dank an die Mitarbeiter der "VoestAlpine":
- unser ungeplanter Besuch bei euch hat einen ganz tiefen Eindruck hinterlassen bei uns
- mein Sohn wird euren Schutzhelm in Ehren halten und zum Schluss noch meine Planungs- und Reiseunterlagen, für all Diejenigen, die an wirklich allen Details interessiert sind:

> grobe Skizze meiner Route (als Anschauungsmaterial für unterwegs)
> Tabelle mit Entfernungen, Höhenangaben und "entsprechend korrigierter Reichweite" (als Anhaltspunkt für die Planung des nächsten Ladestopps)
> die wichtigsten technischen Daten des Twikes – auf ungarisch (war mir sehr hilfreich)
> Anfrage nach einer Steckdose zum Nachladen – ebenfalls auf ungarisch (habe ich allerdings nie gebraucht)
> Kartenmaterial von Österreich und Ungarn
(jeweils mehrere Karten von verschiedenen Verlagen, Maßstab ca. 1:300'000
- man glaubt gar nicht, wie unterschiedlich der Informationsgehalt sein kann) damit man den großen Straßen aus dem Weg gehen kann

Grüße
Klaus-Dieter H.